Caves of the Dead – Interview mit Florian Huber

Hallo liebe Tauchgemeinde,

wie bereits angekündigt startet in den kommenden Tagen bundesweit in ausgewählten Kinos der UW-Film „Caves of the Dead“ von Florian Huber und Uli Kunz. Die beiden zeigen die Schönheit und Gefahren der Cenoten, deren kulturelle Bedeutung in der Vergangenheit und aus heutiger Sicht. Euch erwarten faszinierende Bilder aus einer Umgebung, die die meisten von uns nie sehen werden. Nachfolgend findet ihr einen Auszug aus dem Interview mit Florian Huber, welches exklusiv durch das Sidemount-Forum für Euch geführt wurde.

Was sind die Besonderheiten, die man speziell beim Filmen, den Szenen und Einstellungen unter Wasser im Vergleich zu einer konventionellen Produktion beachten muss?

Gerade beim 3D Filmen kommt es zum einen auf eine sehr ruhige Kameraführung an, da die einzelnen Szenen sehr lange stehen, damit sich das Auge des Betrachters an den 3D Effekt gewöhnen kann. Dann ist natürlich die Ausleuchtung der Höhle wichtig, wobei wir nicht die ganze Höhle erstrahlen ließen, wie das mittlerweile bei vielen Fotografen zu sehen ist. Der Zuschauer soll „sehen“, dass er in einer dunklen Höhle ist. Ganz essentiell ist natürlich die Verständigung zwischen Licht, Kamera und Protagonisten unter Wasser. Vieles kann aber schon im Vorfeld bei einem guten Briefing geklärt werden.

Inwieweit waren Themen wie Nullzeit, Dekompression, Wiederholungstauchgänge etc beim Dreh aktuell und wie haben diese Faktoren die Dreharbeiten beeinflusst?

Zum Glück sind die meisten Höhlen Yucatáns sehr flach und mit Nitrox lassen sich die Nullzeiten ja auch noch deutlich steigern. Bei tieferen Tauchgängen haben wir Trimix verwendet und mussten halt dementsprechend dekomprimieren. Grundsätzlich haben wir versucht, einen langen Tauchgang pro Tag zu machen. Das hat allerdings nicht immer geklappt und so stand früh morgens die erste und Nachmittags die zweite Cenote auf dem Drehplan.

Wie viele Minuten habt Ihr unter Wasser gefilmt und wie viele Minuten seid Ihr dafür unter Wasser gewesen um eine Minute fertigen Film zu produzieren? Im Vergleich dazu, wie ist der Wert bei Filmaufnahmen über Wasser?

Wir waren 18 Tage lang vor Ort und täglich mehrere Stunden im Wasser. Gleichzeitig drehte ein zweites Team für die Dokumentation relevante Szenen über Wasser. Unter Wasser mussten wir täglich 5 Minuten „sendefähiges Material“ drehen. Hört sich wenig an, ist aber in der Tat eine Menge. Beim letzten James Bond waren es übrigens eine Minute pro Tag. Aber die hatten auch ein anderes Budget wie wir…

Wie viel Zeit wurde in die Tauchvorbereitung gesteckt, wie sah die Redundanzplanung aus, wie waren die Teams zusammengesetzt und welche Spezialisten haben Euch dabei unterstützt?

Wir haben sehr viel Zeit in die Vorbereitung und die Tauchgangsvorbereitung gesteckt. Uns kam natürlich zugute, dass wir den Großteil aller Drehort unter Wasser bereits aus den Jahren zuvor kannten. Dennoch mussten wir jeden Tauchgang mit Regisseur und Produzent besprechen, schließlich sollten wir ja deren Vorstellungen unter Wasser umsetzen. Unterstützt wurden wir von Robert und Richard Schmittner vom Xibalba Diver Center Tulum; dort wohnte das ganze Filmteam und auch unsere Logistik war hier angesiedelt. Robi ist ja nicht nur ein absoluter Kenner der Höhlensysteme; er und sein Bruder Richi waren bei einigen Tauchgängen auch als Safety Diver dabei. Sie verhandelten auch mit diversen Cenotenbesitzern, um an eine Drehgenehmigung zu gelangen. Wir verdanken den beiden sehr viel…

Welche Restriktionen gab es für die Backmount-Doppelgerät-Taucher?

Nun, da wo es zu eng wurde, steigen wir ganz einfach auf Sidemount um. Wir wollten damit auch zeigen, wie vielfältig die Höhlensysteme und die darauf abgestimmte Tauchausrüstung sein können. Die falsche Ausrüstung kann auch dazu führen, dass man die fragilen Bestandteile (z.B. Stalaktiten) der Höhlen unwiederbringlichen Schaden zufügt. Jeder, der dort das Privileg hat zu tauchen, sollte sich dessen immer bewusst sein. Die Geologie, Hydrologie, Archäologie und Biologie dieser Höhlensysteme ist weltweit einzigartig!

Gab es spezielle logistische Herausforderungen aufgrund der nicht vorhandenen bzw. zu schaffenden Infrastruktur wie dem Camp, der Luftversorgung (Flaschenfüllstation) und der vor Ort benötigten Ausrüstung? Wie habt Ihr diese Herausforderung gemeistert?

Wie die Jahre zuvor waren wir im Xibalba Dive Center in Tulum. Dort fanden wir wirklich eine perfekte Logistik inklusive schickem, kleinem Hotel. Robi und Richi sind über die Jahre Freunde geworden und wir fühlen uns dort mehr als wohl. Trimix haben wir uns allerdings bei den Jungs von Zero Gravity geholt, auch dort bekamen wir großartige Unterstützung.
Prinzipiell ist die Logistik zwischen Cancún und Tulum für Taucher eh sehr gut. Als Archäologe kenne ich da ganz andere Unterkünfte und Herausforderungen – z.B. ein Camp für 20 Personen für 6 Wochen mitten in der nubischen Wüste im Sudan zu errichten – da kommt nämlich Freude auf!

Welche Ausbildungs- und Erfahrungsstufen wurde für die Tauchgänge vorausgesetzt?

Unser Team der AMLA (AG für maritime und limnische Archäologie der CAU Kiel) besteht ausschließlich aus geprüften Forschungstauchern. Grundvoraussetzung um als deutscher Wissenschaftler abtauchen zu können. Darüber hinaus haben wir natürlich alle Zusatzausbildungen im Bereich Höhlentauchen, Sidemount, Scooter und Mischgastauchen. Unser Team arbeitet seit vielen Jahren zusammen und wir sind auch privat beste Kumpels, das erleichtert vieles bei der Arbeit und erhöht auch den Spaßfaktor.

Welche der von Euch gewählten Ausrüstungsteile haben sich in den Cenoten mehr und welche weniger bewährt? Warum?

Hm – schwierige Frage. Wir hatten eigentlich mit keinem unserer Ausrüstungsgegenstände besondere Probleme. Weder im Backmount- noch im Sidemount-Bereich. Gut gefallen haben uns die von Mares zur Verfügung gestellten Icon HD Computer – die farbige und permante Hintergrundbeleuchtung macht es sehr einfach, relevante Daten abzulesen. Ich selber schwöre auf meine Tilly Tec Lampe – die ist 2010 über 12 m Tief in eine Cenote gefallen und brannte noch immer…

Wird die Art der von Euch verwendeten Ausrüstungskonfiguration auch die nicht in Höhlen tauchende Sporttauchwelt erreichen?

Ha – ja in der Tat haben wir darüber mal in Mexiko bei den Dreharbeiten gesprochen. Das kann natürlich sein, wobei ich betonen möchte, dass die von uns verwendete Ausrüstung auf keinen Fall das Maß alle Dinge ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass in diversen Foren heiß diskutiert werden wird, was wir da tauchen und warum. Letztendlich benutzen wir als Forschungstaucher aber die Ausrüstung, die für den Einsatz am praktikabelsten und effektivsten ist. Ein Tauchgang an einem Windpark in der Nordsee erfordert Vollgesichtmaske und Schlauchtauchanlage, da dies die Betreiber vorgeben. Und an einem Wrack in der Ostsee tauchen wir anderes als im „Tiefen Brunnen“ von Nürnberg, den wir letztes Jahr untersucht haben. Und in engen Höhlen in Mexiko wird Sidemount getaucht, was aber zugegeben sehr viel Spaß macht. Trotzdem: DIE Ausrüstungskonfiguration gibt es in unserem Beruf nicht. Wenn sich Leute was abschauen wollen, dann bitte, dass Redundanz und eine gute Ausbildung noch nie geschadet haben. Tauchsicherheit sollte immer an oberster Stelle stehen.

Haben sich signifikante Vorteile durch das Sidemount-Tauchen rausgestellt?

Es gibt durchaus Vorteile. Abgesehen davon, dass viele Systeme und Passagen in Mexiko eben so eng sind, dass man Backmount nicht durchkommen würde bzw. man damit die Höhlen beschädigen könnte, gibt es Sicherheitsvorteile (z.B. Erreichbarkeit und Kontrolle der Ventile), die man diskutieren kann. Ich habe übrigens die jeweiligen Vor- und Nachteile von Sidemount und Backmount auch in meiner Doktorarbeit behandelt. In der Arbeit geht es unter anderem um Arbeitseffizienz und Arbeitssicherheit unter Wasser. Als Nachteil empfand unser Unterwasserkameramann, dass er Sidemount weniger stabil im Wasser lag und dementsprechend manchmal Probleme hatte, die Kamera ruhig zu führen.

Welche Ausrüstung hast Du getaucht? Wurde Ausrüstung gesponsert?

Beim Sidemount Tauchen haben wir das Razor Harness benutzt. Wir kennen die Jungs dahinter und so lag es nahe, dieses System zu wählen. Dazu gab es robuste Halbtrockentauchanzüge von Mares. Beim Backmount Tauchen haben wir im Wesentlich auf Halcyon und DUI sowie eine GUE-basierte Konfiguration zurückgegriffen. Sowohl Mares als auch die BTS Europa AG haben uns super unterstützt. BTS hat uns einen Großteil der Ausrüstung (inkl. Scooter) gestellt und an die 15 Kisten nach Mexiko fliegen lassen. Vor einigen Wochen habe ich mir jetzt auch privat den HDV T 16 Scooter gegönnt – diese Dinger machen halt doch süchtig.

Wie siehst Du diese Art (Sidemount) von Tauchen bezogen auf Freiwasser?

Also ich bin ja Bayer, auch wenn ich seit 13 Jahren in Kiel lebe. Und dort unten sagen wir: Leben und Leben lassen! Ich selber tauche aus besagten beruflichen Gründen im Freiwasser kein Sidemount. Aber wenn´s gefällt, warum denn nicht? Soll jeder im Wasser glücklich werden mit der Ausrüstung, die ihm zusagt. Wichtig ist doch, dass wir alle immer wieder sicher auftauchen und da unten Spaß haben – egal ob Sidemount, Backmount, PADI, GUE, Forschungstaucher oder Freitaucher…
Wir hatten jedenfalls eine tolle Zeit in Mexiko und haben wirklich alles gegeben, um einen schönen und spannenden Film mit nach Hause zu bringen.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Gucken und hoffe, dass er Euch gefällt…

Vielen Dank Florian, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast!

Euer Team vom
Sidemount-Forum

Caves of the Dead – Unterwasserarchäologie aus Deutschland

Hallo Zusammen,

für alle Fans von UW-Videos und UW-Dokumentationen. Heute Abend könnt Ihr ab 22.15 Uhr in „Planetopia“ auf SAT 1 – Unterwasserarchäologie in den Höhlen Mexikos sehen.
Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Euch in ausgewählten Kinos in Deutschland erwartet. In Stuttgart am 15.08.2013.

Des Weiteren dürft Ihr exklusiv hier im Forum ein Interview mit Florian Huber erwarten. Schaut rein!

Euer
Sidemount-Forum-Team